IN COLOR
Im Kulturhaus Osterfeld/Pforzheim
Eröffnung:
So, 29.1.2012 | 18 Uhr




Ausstellung Pforzheim im Januar 2012

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Christine Huber: InColor - In Farbe und im Leben

Rede von Monika M. Rieger, Kunsthistorikerin, Gedanken zu Christine Huber

Schon auf den ersten Blick ist der Titel der Ausstellung von Christine Huber, InColor, also ‚in Farbe‘, augenfällig und naheliegend.
Keine weitere Erklärung ist nötig: Kräftige Farben und starke Kontraste, aber auch zarte Tonalitäten und sanfte Übergänge sind wesentliche Ausdrucksmittel für Christine Huber. Nicht nur in der Entwicklung der modernen Kunst spielt Farbe eine bedeutende Rolle. Schon seit der Renaissance gilt Farbe als das wesentliche Mittel der Malerei, das diese vor allem von der Zeichnung unterscheidet. Mit der Herausprägung der ungegenständlichen, abstrakten Malerei hat sich diese Bedeutung der Farbe weiter gesteigert. Dabei ist die Auseinandersetzung mit der Farbe als Ausdrucksmittel, mit ihrer Wirkung ebenso wie mit ihrer Materialität, in den Mittelpunkt gerückt. Das Motiv des Gemäldes, das Dargestellte, sein Thema tritt in den Hintergrund; es ist das Gemälde selbst, das zum Gegenstand wird, die Beschaffenheit der Farbe, die zur höchsten Ausdruckform individueller, immaterieller Zusammenhänge, von persönlichen Gedanken und Gefühlen wird. Ihren Höhepunkt findet diese Entwicklung der ungegenständlichen, ‚reinen‘ Farbe in der monochromen, einfarbigen Malerei der 1960er Jahre, wenn Künstler wie Yves Klein einen einzigen Farbton wie Aquamarin-Blau zu ‚ihrer‘ Farbe machen.

So unmittelbar augenfällig die Bedeutung der Farbe in der Malerei von Christine Huber ist, so umständlich abwegig scheint der Verweis auf die Entwicklung der abstrakten Kunst: Nicht nur, dass bei Christine Huber von Ungegenständlichkeit keine Rede sein kann; es sind doch sogar Menschen, Porträts, diese der Ungegenständlichkeit gegensätzliche Gattung der Kunst ,die sich Christine Huber zum Motiv erwählt hat.
Darüber hinaus sind es gerade Anklänge an eine der Abstraktion entgegen gerichteten Kunstrichtung, der Pop Art, die Christine Hubers Bilder auszeichnen:

Zuerst scheint diese Verbindung in der unmittelbaren Energie auf , die Christine Hubers Bilder ausstrahlen; ihrer Leichtigkeit, die sich aus ihrem Mut zu ‚starken‘ Farben – strahlendem Pink, Gelb, Grün, Blau – ergibt. Außerdem wirkt die Zwanglosigkeit der gewählten Bildausschnitte: Die Menschen sind nicht in formellen Posen des Porträts gezeigt, sondern in alltäglichen Positionen, die in einigen Bildern sogar fast als unbeobachtete Momente erscheinen, in denen sich die Dargestellten ganz unverstellt und authentisch verhalten. Oft erinnern die Bildausschnitte an Schnappschuss-Fotos, die die Atmosphäre und Ausstrahlung eines flüchtigen Augenblicks festhalten. Ein weiterer Anknüpfungspunkt zur Pop Art liegt in der Anwendung der Collage-Technik und den sprachlichen Zitate, wie sie Christine Huber verwendet. In den sprachlichen Kommentaren - in Druck- ebenso wie in Handschrift in die Bilder eingefügt - kommt vor allem Christine Hubers anspielungsreicher Humor zum Ausdruck. Dennoch sind die einzelnen Schlagworte oder die kurzen Ausrufe und Fragen keineswegs nur ‚witzige‘ Beigaben oder Wortspiele. Manchmal klingt hier ein nachdenklicher Unterton an, der dem Bild eine weitere Bedeutungsnuance hinzufügt.

Darin, in der Verknüpfung und Verschmelzung von Gegensätzen wie nachdenklicher Melancholie und geistreicher Heiterkeit tritt ein Prinzip zu Tage, das Christine Hubers Arbeit ganz grundsätzlich auszeichnet. Wie sie auf der Ebene von Inhalt und Ausdruck des Bildes Nachdenklichkeit und Heiterkeit, Nähe und Distanz zur dargestellten Person zusammen bringt, verbindet sie auf der Ebene von Form und Technik das Bild mit der Schrift, die Fläche mit der Linie, den Hintergrund mit dem Vordergrund. Auf der Ebene der Farbe verbinden sich strahlende Helle und stumpfes Dunkel, der feine, kaum merkliche Übergang und der starke Kontrast.

Es ist dieses Prinzip der Verknüpfung, Verschmelzung und Verschränkung, in dem bei aller Gegenständlichkeit der Darstellung auch wieder Elemente der Abstraktion auftauchen.
Neben Partien, in denen sich die Gemälde durch malerische und zeichnerische Gesten auszeichnen, einen spezifischen künstlerischen Duktus aufweisen, treten Partien, in denen Christine Huber mit Effekten des Zufalls spielt, wenn sie beispielsweise Farbe direkt auf die Leinwand schüttet. Hier wirkt die Beschaffenheit und Materialität der Farbe selbst als Ausdrucksmittel, oft verstärkt durch aufgeklebtes Papier oder Stoff.

Diese Schichtungen, Überlagerungen und Überblendungen betonen und erweitern die Dimensionen des Bildes: Fläche und Raum fallen zu einem Ganzen zusammen und werden gleichzeitig verstärkt.
Die scheinbaren Gegensätze von Oberfläche und Tiefe, Farbe und Form, Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit lösen sich auf: Nicht weil Christine Huber die Grenzen verwischt, sondern weil es ihr auf faszinierende Weise gelingt, die spezifischen Eigenschaften stimmig zu kombinieren, aus den Einzelheiten, der Vielheit, den Unterschieden einen Zusammenklang, eine neue, individuelle Einheit zu schaffen.

So sind die Gemälde von Christine Huber weniger Porträts von einzelnen Personen oder Charakteren, sondern Darstellungen von Gefühlen und psychischen Zuständen, die für den Betrachter nicht nur sichtbar, sondern nachvollziehbar werden.
Für ihre Betrachter bieten die Gemälde von Christine Huber vielfältige Möglichkeiten des Einstiegs und der Interpretation: Während man sich vielleicht zuerst von den starken Farben angezogen fühlt, können es gleichzeitig und gleichermaßen die Textfragmente oder die dargestellten Personen sein, die für den einzelnen Betrachter den Zugang zum Bild herstellen. Der Titel ‚In Color‘, ‚in Farbe‘ kann so vielleicht ‚im Leben‘ bedeuten; denn ist die Farbigkeit der Gemälde in der sich vor allem wache Lebendigkeit und unbändige Lebenslust aussprechen; und so, wie diese Bilder ‚im Leben‘ gemalt sind, stehen sie auch für ihre Betrachter offen: im Leben, in Farbe.

Hinweis zur Ausstellung auf www.pforzheim.de


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